Erfahrungsbericht Arnold Badertscher - Musiker

Vertrauen in die Forschung

Echte Kulturfreuden kann man nicht kaufen. Sie können zwar zur AIDA nach Kairo jetten, mit Theaterdirektoren und Kunstmanagern per DU sein und Musikprofessoren für sich geigen lassen - für jeden wirklichen, mit dem Herzen engagierten Kulturfreund und auf Qualität achtenden Menschen bedarf es dazu jedoch logischerweise des Gehörs. Man sollte nicht nur zuhören wollen, sondern auch können.

Plötzlich, eines schönen, völlig unerwarteten Tages, erklärt Ihnen Ihr Körper, ich habe genug gehört, die Hälfte, oder noch weniger, reicht mir auch. Wie geht man damit um? Gerade in einer Zeit, wo sich Strukturen täglich verändern. Wir gehen individuellen Zeiten entgegen - einer richtigen Renaissance der Persönlichkeit. Der Umbau der Industrie-Gesellschaft zur Informations-Gesellschaft ist vollzogen. Wir sind überall live dabei, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert. Arbeitsplätze verändern sich. Jeder könnte von zu Hause aus seine Tätigkeiten ausüben. Presse, Radio, Fernsehen, Computer, Fax, Email und mobiles Telefon machen unsere Welt kleiner. Wie verändern sich da unsere Bedürfnisse? Mutieren wir zum vollendeten Individualisten? Oder verlangt gerade diese Zeit nach mehr sozialen und kulturellen Begegnungen?

Für CARL SPITTELER war es das schönste Glück auf Erden, Menschen zu finden, die mit einem fühlen und empfinden.

Und jetzt will sich mein Körper eigenwillig absondern. Der einseitige Gehörverlust brachte mich vor etwas mehr als 6 Jahren in eine eigentliche "Einsamkeit". Man sucht seinen Weg, alleine, auf sich bezogen. Musizieren, Konzertbesuche, mit Freunden zusammen sitzen, Gespräche führen? Diesen Grundbedürfnissen geht man aus dem Weg. Kann diese Resignation wirklich auch richtig oder sinnvoll sein?
Vertrauen wir der Forschung, der Medizin und deren Erfolge im technischen Bereich. Die Gefahr einer Reduktion unserer Risikobereitschaft würde uns täglich, stündlich den Verzicht auf unsere wichtigsten Grundlagen einer sinnvollen Lebensqualität abverlangen. Herrlich, nach Jahren des Verzichtes, Kultur und soziale Kontakte nicht mehr missen zu müssen. Dieser vielleicht etwas "mühselige" Weg bringt sogar einen noch tieferen, intensiveren Genuss.